Pressespiegel

Erdinger Neuesten Nachrichten vom 27. November 2004:

Ein sanfter Rebell
Freunde schreiben Hommage an Gottfried Wiesbeck

Dorfen - Gottfried Wiesbeck, der sanfte Rebell von Dorfen, ist nicht vergessen:  Freunde des ehemaligen Stadtpfarrers haben ausunzähligen  hinterlassenen Schrift- und Tondokumenten des Pfarrers, der am 26. August  2003 im Alter von 57 Jahren starb, nun eine Gedenkschrift herausgebracht.  Das 156 Seiten umfassende Buch ist in einer Auflage von 650 Stück  erschienen. Großes Augenmerk richteten die fünf Herausgeber Monika und  Eberhard Ried, Wulf Schwaben sowie Betty und Hermann Simmerl  insbesondere auf Wiesbecks Predigten und seine Lebensstationen. Den Leser erwarten Auszüge und Wiedergaben unzähliger Schrift- und Tondokumente.

Wiesbeck trat für die Ideale der armen Kirche ein. Er erhob  Widerspruch gegen den Zölibat, geißelte den Reichtum der Amtskirche,  forderte die Einbeziehung von Frauen und Männern in die Kirchenarbeit,  unterstützte Priester ohne Amt. Wiesbeck war nie ein angepasster  Landpfarrer, wollte allerdings immer Frieden schließen mit seinen  Kritikern, wozu auch konservative Gläubige gehörten, und ging aus den  vielen Auseinandersetzungen doch als kranker Mann hervor. Wider Willen  machte der Rebell von Dorfen Schlagzeilen, etwa in der Bild-Zeitung oder  im Stern. Anonyme Briefe und Anrufe, Druck von oben und Druck von unten  machten dem Seelenhirten das Leben schwer. Viel zu früh starb Wiesbeck im  Alter von 57 Jahren.

Er war ein Mensch, der in seiner Person stets bescheiden war, aber die anderen reich beschenkte. Ein Mensch, der viel zu sagen hatte,  aber auch vortrefflich zuhören konnte... Ein Mensch, der die Kirche  achtete und sich ihr gegenüber sehr loyal verhielt, der jedoch nicht  immer gerecht von ihr behandelt wurde”, heißt es im Vorwort des Buches.  Wiesbeck habe Schwachen und Armen Hilfe und Trost gegeben und dabei  selbst manchmal kaum noch die Kraft besessen, für sich Hilfe und Trost zu  schöpfen. Die Herausgeber betonen: “Pfarrer Wiesbeck hat ein Vermächtnis  hinterlassen. Das wollten wir aufgreifen und allen ersichtlich machen."  Man habe mit dem Buch nicht vor, erneut zu polarisieren. Wiesbeck solle  nur “zu Wort kommen". Deshalb seien in dieser Gedenkschrift vor  allem Originaltexte verwendet worden. Wiesbeck sei ein friedliebender und  sensibler Mensch gewesen, der sich allerdings intensiv mit seiner Umwelt  und den Verkrustungen der Kirche auseinander gesetzt habe. Deswegen sei  auch der Titel “Der sanfte Rebell" für das Buch gewählt worden. ”Seine  Gedanken, seine Überzeugungen und seine Botschaften sollen vordem  Vergessen bewahrt werden." Zudem wolle man dem Streben Wiesbecks “nach  Wahrheit und Wahrhaftigkeit" gerecht werden. Man habe Themen und  Gedanken aufgegriffen, die Wiesbeck persönlich sehr wichtig gewesen  seien.


Erdinger Neuesten Nachrichten vom 27.11.2004:

Mensch mit Rückgrat
Dorfener Seelsorger kämpfte für eine bessere Welt

Dorfen - Gottfried Wiesbecks Lebenswerk ist so umfassend, dass es Bände füllen würde. In der Gedenkschrift “Der sanfte Rebell" mussten  seine Freunde zwangsweise eine Auswahl treffen: Einige  seiner Anekdoten wurden aus dem Gedächtnis aufgeschrieben, doch die  Autoren hielten sich zumeist an originale Predigten und Auszüge aus  Pfarrbriefen. Die Silvesterpredigt 1988, mit der Wiesbeck sehr viel  Aufsehen erregte, die Abschiedspredigt von Oberdorfen aus dem Jahr 1996  und die Silvesterpredigt 2002 werden in voller Länge wiedergegeben.

Stationen aus Wiesbecks Leben sowie die Themen “Kirche",  ”Ökumene", “Zölibat", “Priester ohne Amt", “Gewissen-Gewissensfreiheit", “Sexualmoral", “Kinder und Familie", “Gewalt gegen Minderheiten" sind im Buch dokumentiert. Darüber hinaus gibt es eineigenes Kapitel mit  Nachrufen und Würdigungen. Im Anhang sind 20 Seiten mit Fotos von Wiesbeck  abgedruckt - Eindrücke, die textlich nicht wiedergegeben werden müssen.

Gottfried Wiesbeck studierte Pädagogik und Theologie, bevor er 1977 zum Priester geweiht wurde. Anschließend war er bis 1980 als Kaplan  in München tätig. Bis 1983 arbeitete er als Krankenhausseelsorger im Klinikum “Rechts der Isar", ehe 1987 die Zeit als Seelsorger in Dorfen  begann. Von 1997 an arbeitete Wiesbeck als seelsorgerischer Leiter in den Pfarreien Buch und Pastetten.

Dass Wiesbeck während seiner Zeit am Freisinger  Priesterseminar als Briefträger und sogar als Liftboy im Münchner Rathaus Geld dazu verdiente, um sich das Studium zu finanzieren, sind schöne  Anekdoten im Buch. Doch weit wichtiger war es den Autoren, den Menschen  Wiesbeck und sein Engagement für eine bessere und gerechtere Welt  herauszuarbeiten. Wer das Buch aufmerksam liest, wird auf Wiesbecks  ernste und humorvolle Seiten stoßen, ihn vor allem aber als  großen Menschenfreund sehen.”  pda
 

Dorfener Anzeiger vom 27. November 2004:

Das geistige Erbe Pfarrer Wiesbecks
Freunde geben Buch über den “sanften Rebellen" heraus

Dorfen (msr) - Das geistige Erbe des “sanften Rebellen" und  ehemaligen Dorfener Pfarrers Gottfried Wiesbeck gibt es jetzt als Buch.  Einige Freunde des im August 2003 verstorbenen Seelsorgers haben  zahlreiche Schriften, Predigten und sonstige Dokumente zusammengetragen  und können jetzt ein umfassendes und interessantes Werk mit 156 Seiten  präsentieren. “Wir haben versucht, in dieser Gedenkschrift möglichst  Originaltexte zu verwenden, seien es die Aussagen Gottfried Wiesbecks  oder die seiner Freunde", so Eberhard Ried, ehemaliger Studienkollege  Wiesbecks und Mitinitiator des Buches. Die weiteren Herausgeber sind  Monika Ried, Wulf Schwaben sowie Dorfens Altbürgermeister Hermann  Simmerl und dessen Frau Betty.

Manches Gesagte sei fast prophetisch gewesen, meinten die  Herausgeber bei der Vorstellung des Buches. Für besonderes Interesse  unter der Bevölkerung hätten vor allem Wiesbecks sozial- und  gesellschaftskritische Silvesterpredigten gesorgt.
 

Erdinger Neuesten Nachrichten vom 2. Dezember 2004:

Wiesbeck-Buch ein Bestseller

Dorfen - Die Gedenkschrift “Der sanfte Rebell", die als  Erinnerung an Pfarrer Gottfried Wiesbeck von Freunden herausgegeben  wurde, ist innerhalb von vier Tagen schon fast komplett ausverkauft. Das 156 Seiten starke Werk erschien in einer Auflage von 650 Stück, jetzt  sollen nochmals 500 Bücher gedruckt werden.

Monika und Eberhard Ried, Wulf Schwaben sowie Hermann und  Betty Simmerl sind die Herausgeber des Buches, das zum Selbstkostenpreis von elf Euro erhältlich ist und vom Berufsbildungswerk für  Hörgeschädigte in München hergestellt wurde. Ab einem Verkauf von 600  Stück sind für die Herausgeber die groben Unkosten gedeckt. Überschüsse  werden für das Kinderhilfswerk in Huacho in Peru gespendet, für das sich Pfarrer Wiesbeck tatkräftig einsetzte. Das Buch kann im Dorfener  Pfarrbüro, in der Dorfener Buchhandlung und auf dem Dorfener  Christkindlmarkt gekauft werden.

Großes Augenmerk richteten die fünf Verfasser auf Wiesbecks  Predigten und seine Lebensstationen; hier bedienten sie sich mehrerer  Schrift- und  Tondokumente. Den Leser erwarten Auszüge aus Pfarrbriefen  und drei Predigten: die Silvesterpredigt 1988, die Abschiedspredigt von Oberdorfen aus dem Jahr 1996 und die Silvesterpredigt 2002 sind in  voller Länge wiedergegeben. Einige Anekdoten des Seelsorgers, der für  eine bessere Welt kämpfte, wurden aus dem Gedächtnis aufgeschrieben.  Auch ein eigenes Kapitel mit Nachrufen und Würdigungen wurde verfasst.  Im Anhang sind 20 Seiten mit Fotos Wiesbecks abgedruckt. (pda)

 

Dorfener Anzeiger vom 21.12.2005

Autoren spenden Geld für Aids-Waise in Tansania

4000 Euro vom Verkauf des Wiesbeck-Buchs gehen an Christlichen Entwicklungsdienst

Dorfen (me) - Mit ihrem Buch "Der sanfte Rebell" hatten Hermann und Betty  Simmerl, Monika und Eberhard Ried sowie Wulf Schwaben riesigen Erfolg.  Jetzt darf sich darüber auch der Christliche Entwicklungsdienst (CED)  freuen. Das Autorenteam spendet den gesamten erwirtschafteten Überschuss von 4000 Euro, den der Band über den ehemaligen Dorfener Pfarrer  Gottfried Wiesbeck erzielte, an die soziale Einrichtung.

Das Geld soll Aids-Waisen in Tansania zugute kommen - Kindern, die ihre Eltern  an der tödlichen Krankheit verloren haben und teilweise selbst an Aids  infiziert sind. "Wir haben uns für dieses Projekt entschieden, weil wir  glauben, dass es auch Gottfried Wiesbeck unterstützt hätte", erklärte  Hermann Simmerl im Namen des Autorenteams, und sein Kollege Eberhard  Ried fügte hinzu: "Für uns war es entscheidend, dass mit dem Geld  bedürftige Kinder unterstützt werden, und die Hilfe möglichst direkt  vergeben wird und nicht in Projekten mit großem Verwaltungsaufwand  verschwindet.”

Susanne Pechel, Gründerin des CED bedankte sich bei den  Spendern mit einer Weihnachtskerze: "Ich habe Ihnen für das Licht, das  Sie unseren Kindern gebracht haben, als Dankeschön ein Weihnachtslicht  mitgebracht."

Das Licht, das die Autoren mit ihrer Spende angezündet haben,  wird in der tansanischen Provinz Singida leuchten. Dort will der CED  das Geld dafür einsetzen, Aids-Waisen wieder bei Familien  unterzubringen. Dies scheitert nämlich meist am Geld, wie Susanne Pechel erklärt: "Ein tansanisches Kind mit Essen, Kleidung und Schulbildung zu versorgen, kostet rund 500 Euro”.

 

Hallo Erding IG-Blatt vom 31.08.2013

Ein sanfter Rebell

Am Montag, 26. August, war der zehnte Todestag von Pfarrer Gottfried Wiesbeck, der auch in Dorfen wirkte. Ein Freundeskreis dort, zu dem auch Betty und Hermann Simmerl zählen, hält sein Andenken noch immer hoch. Am Sonntag, 1. September 2003 ist er beerdigt worden.

Zum Gedenken

Gottfried Wiesbeck

Pfarrer aus Überzeugung

Frau und Herr Simmerl, was hat Sie an Pfarrer Wiesbeck so fasziniert?

Er hat das Evangelium so gepredigt, dass es ein jeder verstanden hat. Auch Zweifel hat er zugelassen. Zum Beispiel, warum es so viel Leid, so viel Kriege und Hunger in der Welt gibt.

War das im Sinne der Kirche?

Er wurde zum Bischof zitiert, bekam eine Liste, was er nicht mehr sagen darf, und er hätte abberufen werden sollen, weil er an Darmkrebs erkrankt war und Metastasen in der Leber hatte.

Haben ihn die Gläubigen gemocht?

Bei seiner Beerdigung waren mehr als 1000 Menschen. Er war menschlich, offen, ehrlich und zugänglich..Er konnte zuhören und sprach mit den Menschen immer auf Augenhöhe. Die Leute waren von ihm fasziniert. Er hat sie in großem Leid begleitet, hat mitgelitten und ist sozusagen in der Seelsorge aufgegangen.

Hat sich das in der Anzahl der Kirchenbesucher niedergeschlagen?

Die Pfarreimitglieder sind von selbst gekommen, Wiesbeck war nicht der Kirchgang wichtig, sondern wie „seine Schäfchen“ leben. Er hat alles mit einbezogen, auch wenn es gegen Direktiven ging. Wiesbeck hat Wahrhaftigkeit gefordert, er war einfach ein Jahrhundertpfarrer. Sämtlichen Prunk hat er abgelehnt, und damals schon Themen angesprochen, die nicht populär waren.

Als da sind?

Zum Beispiel den Zölibat, das Wettrüsten oder auch das Thema Frauen in der Kirche, Er war in keinster Weise betulich, sondern hat auch politische Akzente gesetzt. Alles was er sagte, hat er frei gesprochen, bis auf Zitate. Er hat den Priesterberuf immer als seinen Traumberuf bezeichnet und sich selbst verzehrt, wie eine Kerze.

Hätte das nicht zu einer größeren Karriere gereicht?

Wiesbeck hatte keinerlei hierarchischen Gelüste, sondern immer gesagt, dass ihn Kariere und solcher Kram nicht interessieren. Er war eher schüchtern, bescheiden, einfach ein zurückhaltender Mensch. Aber er hat dennoch seine Überzeugung vertreten. Er sollte ja auch an seiner Beerdigung in Vorruhestand gehen, war aber leider vorher, im Alter von 57 Jahren, viel zu früh verstorben.

Haben Sie Gottfried Wiesbeck deswegen besonders geschätzt?

Er hat in einer Zeit des lauten, vordergründigen Treibens, in der sich viele egoistisch in den Vordergrund drängten, als ruhiger Gegenpol gewirkt. Wichtigtuerei und marktschreierisches Gehabe waren ihm völlig fremd. Seine Bescheidenheit und die ruhige Besonnenheit, die er ausstrahlte, sozusagen verinnerlicht hatte, seine ausgesuchte Höflichkeit und seine Bedachtsamkeit darauf, niemanden zu verletzen, machten den Umgang mit ihm zum Erlebnis. Man konnte mit ihm über alles reden, sowohl über philosophisch-theologisches, als auch über jede Menge andere Themen. Er war absolut ehrlich, aufrichtig und hatte ein umfassendes, breit gefächertes Wissen sowie ein phänomenales Gedächtnis. Dennoch fühlten wir uns immer als vollwertige Gesprächspartner. Er war witzig, in keinster Weise aggressiv und Rechthaberei war ihm fremd.

War er nicht für seine Silvesterpredigten berühmt?

Natürlich sind die bei vielen noch in Erinnerung, als wäre es gestern gewesen. Aber in erster Linie war er überzeugter Seelsorger und machte sich aus diesem Grund um das seelische Befinden seiner Mitmenschen Sorgen. Er hat nie Probleme anderer zu seinen eigenen gemacht und deren Not mitgetragen. Zum Beispiel bei tragischen Todesfällen, vor allem bei denen ganz junger Menschen. Er war einfach einer mitten unter uns. Er ließ keinen Zweifel daran, dass er ebenfalls ein Suchender nach dem Sinn des Lebens war. Er wollte von einer Theologie der Bedrückung befreien, äußerte sich auch kritisch zur Meinung der katholischen Kirche, zum Beispiel über Familienplanung, Wiesbeck hat besonders den Leuten eine schwere Last genommen, die mit einer Theologie der geistigen Enge und der dauernden Drohung mit Sünde und Verdammung aufgewachsen waren. Das ging von der Unfehlbarkeit des Papstes über Zölibat und Geburtenkontrolle bis hin zu wiederverheirateten Geschiedenen. Alles brandheiße Themen, die heute noch aktuell sind.

Wie verlief die Karriere von Gottfried Wiesbeck?

Er kam am 16. Juli 1946 in Pfaffenhofen an der Ilm zur Welt. Dort ging er auch noch in die erste Klasse Volksschule, aber dann zog seine Familie aus beruflichen Gründen nach München. Dort besuchte er bis 1956 die Wilhelmschule und machte im Jahr 1965 am Max-Gymnasium das Abitur. Danach trat er ins Freisinger Priesterseminar ein, ehe er 1967 nach Tübingen ging, um an der dortigen berühmten theologischen Fakultät weitere vier Semester zu studieren. Um nicht von der Kirche abhängig zu sein, hängte er noch ein Lehramtsstudium an der Pädagogischen Hochschule in München an. Zunächst arbeitete er auch als Lehrer, ehe er im Juni 1977 im Freisinger Dom zum Priester geweiht wurde. Kaplan in St. Ursula und Krankenhaus-Seelsorge im Klinikum „Rechts der lsar“ hießen die Stationen. 1983 kam er nach Oberdorfen, im Sommer 1986 übernahm er für den schwer erkrankten Hermann Eigner die Aushilfe in Dorfen und bewarb sich nach dessen Tod im Dezember desselben Jahres um die vakante Stelle in Maria Dorfen. Er hielt die Doppel-Belastung, beide Pfarreien zu leiten, bis Mai 1996 durch. Danach war er noch in Buch am Buchrain tätig, wo er am 6. April 2003 seine letzte Messe las.

Hatte Wiesbeck in Pfarrer Hermann Eigner nicht einen streitbaren Vorgänger?

Sicherlich, viele haben Wiesbeck nach Pfarrer Eigner als wohltuend empfunden. Er war nicht so theologisch festgebunden. Viele sind wieder in die Kirche gegangen, die vorher nicht da waren. Eigner war vielleicht zu streng" Die beiden haben auf jeden Fall nicht zusammengepasst.

Hat er sich noch ein paar Wünsche erfüllen können?

Nun, er durfte zur Reha an seine geliebte Nordsee, nach St.-Peter-Ording und teilte seinen Freunden mit, dass die zweite gute Nachricht sei, dass er nicht mehr lange zu leben habe und keineswegs ein Pflegefall werde. Ende Juli war er noch für drei Tage bei uns am Chiemsee und wirkte heiter und gelöst, Auch sein geliebtes Tübingen sah er noch mal und fuhr mit Freunden nach Italien, Am zweiten Tag dort erfuhr er, dass seine Mutter plötzlich gestorben war. Das gab ihm den Rest. Die Beerdigung hat er zusammen mit seinem Bruder Bernhard noch organisiert, doch konnte er nicht mehr dabei sein, weil er selbst ins Krankenhaus musste und wenige Tage später starb.

Waren Sie mit ihm auch persönlich befreundet?

Oh ja, wir haben ihn eher zufällig kennengelernt, als ich, Hermann Simmerl, damals Bürgermeister in Dorfen, ihn kurz nach seinem Dienstantritt in Oberdorfen in Zeilhofen traf. Im Lauf der Jahre hat sich der Kontakt immer mehr vertieft, es hat sich eine schöne persönliche Freundschaft entwickelt. Meine Frau und ich sind dankbar, dass wir diesem großartigen Menschen begegnen und ihn zum Freund haben durften. Und wir glauben, dass viele Menschen in Dorfen ähnlich empfinden.

Das lnterview führte Anna Brückner

 

Brief zum Artikel in “Hallo Erding” von Egon Weiß aus Fraunberg vom 30. August 2013:

„Meine Frau und ich haben gerade das Interview in „Hallo Erding“ gelesen, in welchem Sie den leider allzu früh verstorbenen Gottfried Wiesbeck würdigen. Als katholischer Religionslehrer (jetzt i.R.) am Franz Marc Gymnasium in Markt Schwaben habe ich Pfarrer Wiesbeck zu seiner Zeit in Buch am Buchrain schätzen und verehren gelernt. Gottfried Wiesbeck war genauso wie Sie ihn charakterisieren. Ein aufrechter Kämpfer für die Sache Jesu. Ein Freund des befreienden und verzeihenden Gottes und ein Menschenfreund, der die Nähe zum Menschen suchte ohne nach Rasse, Religion oder Nationalität zu fragen. Ein echter Nachfolger Jesu und ein wirklicher Ökumeniker! Er war ein einfühlsamer Seelsorger und gehörte damit zu einer Spezies, die auszusterben scheint. Die neuen Priester (Einheimische und Ausländer) verstehen sich einseitig nur als Kultdiener und Funktionäre im Auftrag des Lehramtes. Seelsorge ist ihnen in Wort und Tat fremd. Es gibt alleine hier in unserem kleinen Maria Thalheim so viel Einsamkeit, so viel religiöse Not und religiöse Sehnsucht, deren sich kein Geistlicher und kein Pfarrgemeinderat annimmt. Das religiöse Leben ist zur Pflege religiösen Brauchtums verkommen und auf die Ebene eines besseren Trachtenvereins abgeglitten, mit immer noch mehr Rosenkranz und Litaneien und anderen unverfänglichen Ritualen, die keinen modernen, nach Sinn und Orientierung suchenden Menschen mehr erreichen. Man lässt eine ganze Generation einfach religiös verhungern. Und wer das ändern möchte, zu Gunsten des „mühselig und beladenen“ Menschen, dem wird - wie uns geschehen - vom Pfarrer (aus lndien) das Katholisch-Sein gänzlich abgesprochen. Und die zum Gehorsam dressierten (Rest-) Gläubigen glauben das natürlich.

Langer Rede kurzer Sinn: Ihre Aussagen zu Gottfried Wiesbeck haben wundervolle Erinnerungen an „gute alte Zeiten“ geweckt, an Zeiten, wo es noch selbstbewusste mutige Priester und Theologen gab, die für die gute Sache, die Sache Jesu eingetreten sind - sei es gelegen oder ungelegen. Haben Sie herzlichen Dank für dieses Bekenntnis.“

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